"Palmers Gedankenspiele über Baugebote können zu Konflikten führen - vor allem im ländlichen Raum" befürchtet Reinhold Teufel, der Bezirksvorsitzende der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU in Württemberg-Hohenzollern. Wenn es dann nämlich so ist, dass Gemeinden erst die Bebauung von Baulücken in privater Hand durchsetzen müssen, bevor sie neue Bauflächen schaffen dürfen, "dann geht auf Jahre hinaus erst einmal gar nichts", so die Befürchtung des Bürgermeisters der Gemeinde Pfronstetten (Landkreis Reutlingen).

In Zeiten, in denen die Wohnungsnot in der Bundeshauptstadt Enteignungsphantasien freisetzt, bergen einfache Lösungen wie die vom grünen Oberbürgermeisters Boris Palmer ins Gespräch gebrachten Baugebote unabsehbare Risiken für die kommunale Planungshoheit.

";Schon heute haben die Gemeinden gerade im ländlichen Raum durch raumordnerische Vorgaben der Landes- und Regionalplanung sehr enge Spielräume, allgegenwärtige Probleme beim Grunderwerb tun ihr Übriges dazu", so Teufel. ";Sollten die Grünen dann in Palmers Lösungen eine Blaupause für den Rest des Landes sehen, dann wird es schwierig!".

Im Gegensatz zu Ballungsräumen wie Tübingen, wo für Wohnflächen vergleichsweise hohe Mieten erzielt werden können, dürfte es im ländlichen Raum nicht selten schwierig sein, einem Baugebot Folge zu leisten, ohne dabei draufzuzahlen. Nicht erst seit den explodierenden Preisen im Baugewerbe sei es schwierig, nicht für den Eigenbedarf gedachte Wohnflächen wirtschaftlich darzustellen. ";Aufgrund der deutlich höheren Lebensqualität auf dem Land rechne ich zwar durchaus damit, dass die Nachfrage und damit auch das Mietniveau für neugebauten Wohnraum steigen wird, Baulücken befinden sich aber vielfach im Eigentum älterer Menschen, die nicht ohne weiteres zu Investitionen bereit sind, deren vollständige Amortisation sie kaum mehr erleben werden".

Zwar hat das Bundesverwaltungsgericht schon vor über 60 Jahren geurteilt, dass das Instrument des Baugebots nicht für Fälle gedacht sei, in denen es zu einer wirtschaftlich unzumutbaren Belastung des Grundeigentümers führt,  allein schon durch die aufkommende Diskussion hierüber sieht Reinhold Teufel eine Gefahr: Die Reihen derer, die den Flächenverbrauch als größte Gefahr unserer Zeit ansehen, würden immer dichter - nicht nur in den Gremien und Parlamenten, sondern eben auch in den Ämtern und Ministerien. ";Abgesehen davon, dass Flächen nicht verbraucht, sondern bestenfalls umgenutzt werden können - manch einer dürfte in den Palmerschen Vorschlägen ungeachtet der unterschiedlichen Gegebenheiten in Stadt und Land einen Königsweg sehen. Getreu dem Motto: Wenn ich nur einen Hammer habe, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus!". Hier gelte es deshalb, frühzeitig Position zu beziehen - ";und genau so möchte ich meine Warnung verstanden wissen!".

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