"Im engen Austausch mit Vertretern der Eltern- und Lehrerverbände sowie aus Wirtschaft und Kommunen haben wir heute die Schulpolitik der Landesregierung auf den Praxis-Prüfstand gestellt - und mussten feststellen, dass ein bis dato qualitativ hochwertiges und gut funktionierendes Bildungswesen durch die von Grün-Rot vorgenommenen Eingriffe zu einem heillosen Durcheinander und letztlich zu einem einschneidenden Niveauverlust führen wird," bilanzierte der CDU Bezirksvorsitzende Thomas Bareiß im Zuge des Bildungskongresses vergangenen Samstag in Bad Waldsee.

Die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung durch Grün-Rot hat zu gravierenden Veränderungen für alle weiterführenden Schulen geführt. Während die Schülerzahlen an Realschulen und Gymnasien steigen, stehen bislang gut aufgestellte Haupt- und Werkrealschulen vor dem Aus?, so die Vorsitzende des Bezirksfachausschusses Bildung und Wissenschaft, Stefanie Bürkle. ?Dabei führt die freie Auswahl der Schulart durch die Eltern oftmals gerade nicht dazu, dass begabte Kinder aus bildungsfernen Haushalten den Weg auf das Gymnasium wählen. Vielmehr werden vermehrt schwächere Kinder aus bildungsnahen Haushalten am Gymnasium angemeldet".

"Die CDU Württemberg-Hohenzollern hingegen steht weiterhin für eine maßgenaue Förderung unserer Schüler, je nach individueller Begabung und Entwicklungsstand. Unser bisheriges gegliedertes Schulsystem bietet hier gerade in Baden-Württemberg eine hohe Durchlässigkeit. So hat nahezu jeder 2. Abiturient in Baden-Württemberg sein Abitur über den Weg der Mittleren Reife und der beruflichen Gymnasien geschafft?, betonte Thomas Bareiß MdB.

Als weiteren gravierenden Eingriff bezeichnete Stefanie Bürkle, die auch als Moderatorin durch die Veranstaltung führte, die überhastete Einführung der Gemeinschaftsschulen. ?Ohne einen Bildungsplan für diese neue Schulart konzipiert zu haben, ohne Lehrerinnen und Lehrer hierfür ausgebildet zu haben und ohne diese neue Schulart in Modellversuchen getestet zu haben, wird diese zu einem großen Feldversuch an den Kindern. Bislang haben fast ausschließlich vormalige Haupt- und Werkrealschulen einen Antrag auf Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule gestellt. Für Gymnasien und Schüler mit Gymnasialempfehlung ist eine solche Verwässerung des Bildungsangebots überhaupt nicht attraktiv, so dass wir im Ergebnis davon ausgehen, dass die sogenannte neue Gemeinschaftsschule schlicht die bisherigen Haupt- und Werkrealschulen ersetzen wird. Ein Erfolgsmodell sieht entschieden anders aus", so Bürkle.

"Bedenklich stimmt uns auch, dass es an den neuen Gemeinschaftsschulen Noten nur auf Wunsch der Eltern geben soll und Lehrerinnen und Lehrer ihre Lernangebote vorab mit den Schülern und Eltern abstimmen müssen", so Bürkle weiter.

"Große Einigkeit bestand darin, dass gerade unsere mittelständische Wirtschaft dringend gut ausgebildete Fachkräfte in den klassischen technischen Ausbildungsberufen benötigt. Hier ergeben sich auf der Grundlage unserer weltweit hoch geschätzten Dualen Berufsausbildung sehr gute Zukunftschancen. Viele Schüler sind je nach individueller Eignung und Begabung auf diesem Weg weitaus erfolgreicher als auf dem Weg eines akademischen Studiengangs. Dabei entspricht unser Meistertitel heute schon dem Standard eines Bachelor-Abschlusses, wie er in anderen Ländern der Welt angeboten wird", betonte Bareiß.

Bareiß fordert zudem einen Volksentscheid über die Einführung der Gemeinschaftsschule: ?Die Gemeinschaftsschule wird die Bildungslandschaft in Baden-Württemberg so stark verändern, dass das nicht ohne Beteiligung der Bevölkerung geschehen kann. Da geht es um die Frage, wie wir uns in den nächsten Jahrzehnten in der Bildungspolitik aufstellen?. Bareiß warnte davor, dass Kinder aus bildungsferneren Schichten in einer Volksschule gesammelt würden, während Eltern aus bildungsnahen Schichten ihre Kinder auf Privatschulen schickten. ?Da besteht die Gefahr einer Zwei-Klassen-Bildung", so Bareiß mit Blick auf die Zukunft des Bildungsstandorts im Südwesten.

"Wir haben jetzt in einem Volksentscheid über einen von vielen Bahnhöfen in Baden-Württemberg abgestimmt." Bei der Einführung der Gemeinschaftsschule gehe es um eine noch sehr viel grundsätzlichere Frage, unterstrich Bareiß.

"Am Ende ist entscheidend, dass jeder Bildungsabschluss an unseren Schulen und Hochschulen für einen guten Start ins Berufsleben sorgt und dass diese Qualifikation weiterhin einen Wert hat. Hierfür bedarf es klarer Profile und Standards, nur so können wir garantieren, dass die Bildungsergebnisse im Land weiterhin an der Spitze bleiben", forderte Bareiß abschließend.

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